Ocean Dream - Reisen und Abenteuer des Simon Brown

Klack, klack, klack, klack, klack … Ein gleichmäßiges Geräusch dringt aus der Ferne in Simons Bewusstsein. Es klingt dumpf, leise und sehr weit weg. Das Nächste, was er wahrnimmt, sind die Schmerzen – im Kopf und in allen Gliedern. Simon ist kalt, aber langsam schafft er es, seine Augen zu öffnen. Doch die Dunkelheit bleibt. Er merkt, dass er auf dem Rücken liegt, und versucht, Arme und Beine zu bewegen, aber es ist zwecklos: Er sitzt fest, wie eingemauert. Gefangen, gefesselt, begraben … lebendig begraben? Panik steigt in ihm auf. „Sie müssen angenommen haben, dass ich tot bin …
Sanft streichen ihre zarten Finger durch seine Haare. Für einen kurzen Augenblick öffnet er die Augen und sieht das ruhig fließende Wasser der Themse vor sich. Die Sonne spiegelt sich auf der Oberfläche; ihre Strahlen wärmen seine Haut, obwohl sie vom Blattwerk der mächtigen Eiche über ihm immer wieder gebrochen werden. Die weiche Wolldecke, auf der er liegt, verstärkt noch das Wohlgefühl, das ihn durchzieht. Marala beugt sich über ihn und er fühlt ihre seidigen langen Haare in seinem Gesicht; er spürt ihren Atem auf seiner Wange, auf seinem Mund. Jetzt küsst sie ihn und ihn durchfährt ein unsagbares Glücksgefühl. Er schiebt sie vorsichtig wieder ein wenig von sich, schaut in ihr lächelndes Gesicht, in ihre wunderschönen braunen Augen, die ihn verzaubern. Zärtlich fährt sie ihm wieder durch die Haare …
„Sehen Sie, Mr. Brown: Alles wird gut, wenn man sich nur an die Spielregeln hält.“ Lieutenant Walsh sitzt mit zufriedener Miene an seinem Schreibtisch im East India House. Heller Sonnenschein flutet durch die hohen Fenster des Büros, sodass Simon und George, die vor dem Schreibtisch sitzen, blinzeln müssen.
„Kapitän“, fährt der Lieutenant fort, „ich habe Sie und Mr. Brown einbestellt, weil Ihre Unterlagen vollständig sind. Das Transportmaterial wird am Samstag, dem 25. Oktober, um 7 Uhr morgens am Anleger für Sie bereitstehen.“ Kurz schaut Lieutenant Walsh von seinen Unterlagen auf und nimmt George Boyt in den Blick. „Ich nehme an, Sie haben sich um einen Liegeplatz am Anleger gekümmert, Kapitän?“
„Sie wäre sehr hartnäckig, das waren ihre letzten Worte gestern Abend.“ Simon sieht in die aufmerksam gespannten Gesichter von George Boyt und Edgar Bradshaw, die mit ihm in der Kapitänskajüte der „Ocean Dream“ sitzen.
„Na, wenn das kein Tête-à-Tête erster Klasse war, dann weiß ich es auch nicht!“, schießt es aus dem Ersten Offizier heraus.
„Mr. Bradshaw, bitte!“, maßregelt ihn der Kapitän. „Wir haben es hier mit einer verzwickten Situation zu tun. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, wie sich die Sache entwickeln wird?“
„Entschuldigen Sie, Sir, natürlich.“ Bradshaw macht ein betretenes Gesicht.
Simon seufzt. „Mir wäre sehr daran gelegen, wenn wir einen Weg finden könnten, wie ich das scheinbar Unvermeidbare doch noch ...
„Simon, schau nur: Es wird ganz dunkel draußen!“
Simon erhebt sich aus seinem bequemen Ledersessel in Ashley Ricklebys Büro, geht zur Fensterfront und stützt seine Hände auf die Fensterbank. Der Himmel hat sich plötzlich zugezogen, und es sieht so aus, als könne es jeden Moment einen Wolkenbruch geben. Aber Simons Augen suchen etwas anderes. Es ist sein Schiff, das dort hinten auf Kiel liegt.
„Wir liegen gut im Zeitplan, Ashley“, stellt er fest. „Von hier sieht sie schon sehr elegant aus, die ‚Ocean Dream‘. Proportionen und Linienführung finde ich ausgesprochen gelungen. Da haben Luca und David gezeigt, was sie können. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass sie ausgezeichnet zusammenarbeiten.“