Ocean Dream - Reisen und Abenteuer des Simon Brown

Es ist ein klarer, kalter Novemberabend. Über Lohne und dem Haus der Brägelmanns breitet sich der Sternenhimmel wie ein Schmuckteppich aus. Simon, der neben dem kleinen Anton hinter dem Haus steht, muss an seine Familie denken. Ob sie in Mainz jetzt denselben klaren Himmel sehen können? Wann wird er sie wohl endlich wiedersehen und in seine Arme schließen können ...
Am Samstagmorgen ist Simon früh auf den Beinen. Aloys, der am Vortag mit seinem Fuhrwerk und einer Menge Holzkisten voller Schreibfedern nach Jever aufgebrochen ist, hat ihm zuvor noch einen Besuchstermin bei der Firma Kreymborg verschafft. In der Küche sitzen Käthe, Cornelia, Anton und Grete Brägelmann bereits beim Frühstück.
„Wann will Aloys eigentlich wieder zurück sein?“
Klack, klack, klack, klack, klack … Ein gleichmäßiges Geräusch dringt aus der Ferne in Simons Bewusstsein. Es klingt dumpf, leise und sehr weit weg. Das Nächste, was er wahrnimmt, sind die Schmerzen – im Kopf und in allen Gliedern. Simon ist kalt, aber langsam schafft er es, seine Augen zu öffnen. Doch die Dunkelheit bleibt. Er merkt, dass er auf dem Rücken liegt, und versucht, Arme und Beine zu bewegen, aber es ist zwecklos: Er sitzt fest, wie eingemauert. Gefangen, gefesselt, begraben … lebendig begraben? Panik steigt in ihm auf. „Sie müssen angenommen haben, dass ich tot bin …
Sanft streichen ihre zarten Finger durch seine Haare. Für einen kurzen Augenblick öffnet er die Augen und sieht das ruhig fließende Wasser der Themse vor sich. Die Sonne spiegelt sich auf der Oberfläche; ihre Strahlen wärmen seine Haut, obwohl sie vom Blattwerk der mächtigen Eiche über ihm immer wieder gebrochen werden. Die weiche Wolldecke, auf der er liegt, verstärkt noch das Wohlgefühl, das ihn durchzieht. Marala beugt sich über ihn und er fühlt ihre seidigen langen Haare in seinem Gesicht; er spürt ihren Atem auf seiner Wange, auf seinem Mund. Jetzt küsst sie ihn und ihn durchfährt ein unsagbares Glücksgefühl. Er schiebt sie vorsichtig wieder ein wenig von sich, schaut in ihr lächelndes Gesicht, in ihre wunderschönen braunen Augen, die ihn verzaubern. Zärtlich fährt sie ihm wieder durch die Haare …
„Sie wäre sehr hartnäckig, das waren ihre letzten Worte gestern Abend.“ Simon sieht in die aufmerksam gespannten Gesichter von George Boyt und Edgar Bradshaw, die mit ihm in der Kapitänskajüte der „Ocean Dream“ sitzen.
„Na, wenn das kein Tête-à-Tête erster Klasse war, dann weiß ich es auch nicht!“, schießt es aus dem Ersten Offizier heraus.
„Mr. Bradshaw, bitte!“, maßregelt ihn der Kapitän. „Wir haben es hier mit einer verzwickten Situation zu tun. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, wie sich die Sache entwickeln wird?“
„Entschuldigen Sie, Sir, natürlich.“ Bradshaw macht ein betretenes Gesicht.
Simon seufzt. „Mir wäre sehr daran gelegen, wenn wir einen Weg finden könnten, wie ich das scheinbar Unvermeidbare doch noch ...
„Simon, schau nur: Es wird ganz dunkel draußen!“
Simon erhebt sich aus seinem bequemen Ledersessel in Ashley Ricklebys Büro, geht zur Fensterfront und stützt seine Hände auf die Fensterbank. Der Himmel hat sich plötzlich zugezogen, und es sieht so aus, als könne es jeden Moment einen Wolkenbruch geben. Aber Simons Augen suchen etwas anderes. Es ist sein Schiff, das dort hinten auf Kiel liegt.
„Wir liegen gut im Zeitplan, Ashley“, stellt er fest. „Von hier sieht sie schon sehr elegant aus, die ‚Ocean Dream‘. Proportionen und Linienführung finde ich ausgesprochen gelungen. Da haben Luca und David gezeigt, was sie können. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass sie ausgezeichnet zusammenarbeiten.“